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Basic Processes of Information Structuring in Czech

Denisa Lenertová & Uwe Junghanns

Der Beitrag befasst sich mit den grundlegenden Prozessen der Informationsstrukturierung im Tschechischen. Informationsstrukturierung ist ein pragmatisch determiniertes Ordnungsprinzip, durch welches Elemente des Satzes ein bestimmtes kommunikatives Gewicht erlangen. Die Satzelemente ordnen sich zu Blöcken mit spezifischen Diskursfunktionen. Wir nehmen an, dass sich Informationsstrukturierung im Rahmen der Satzsyntax rekonstruieren lässt (vgl. Junghanns 2002a). Die Informationsstruktur (IS) des Satzes manifestiert sich in zwei distinkten Gliederungen – der Topik-Kommentar-Gliederung (TKG) und der Fokus-Hintergrund-Gliederung (FHG). In der Syntax werden IS-Merkmale an entsprechende Konstituenten zugewiesen. Diese Merkmale können overte Bewegungen auslösen. Sie determinieren auch wesentlich die Prosodie des Satzes. Abschnitt 2 (Informationsstrukturierung in Deklarativsätzen des Tschechischen) beginnt mit einer Darstellung von Topiks (2.1.). Das Tschechische realisiert interne und externe Topiks. Externe Topiks adjungieren an den Satz (CP) und sind mit einem Ausdruck innerhalb der CP koindiziert (Koreferenz). Interne Topiks besetzen eine Strukturposition oberhalb der Tempus-Phrase (TP), jedoch unterhalb der satzeinleitenden Kategorie C. Der Hauptteil der Diskussion ist Prozessen der Fokussierung gewidmet. Wie in anderen slavischen Sprachen erscheint der Fokus-Exponent im Tschechischen per Default an der rechten Peripherie des Satzes (2.2.). Bei rechtsperipherem Fokus kann overte Verb-Bewegung auftreten – optionale Bewegung im Falle von VP- bzw. NegP-Fokus, Verb-Anhebung zur Stützung eines Klitikons bzw. zur Markierung eines pro-drop-Topiks (2.3.). In einer Reihe von Fällen wird von der kanonischen rechtsperipheren Positionierung des Fokus-Exponenten abgewichen (2.4.). Einschlägig sind Rechtswärtige Defokussierung, Realisierung von Kontrast- und Verum-Fokus sowie maximale Fokussierung (thetische Sätze, emphatische Präponierung in nicht-thetischen Sätzen). Bewegung in nicht-minimalen Fokus-Domänen ist zulässig, solange die intendierte Informationsstruktur gewahrt bleibt, was ein entsprechendes Prinzip festschreibt. Informationsstrukturierung involviert ein außersprachlich determiniertes komplexes Wechselspiel zwischen verschiedenen Modulen der Grammatik. Die Oberfläche tschechischer Sätze ist das Resultat syntaktischer Bewegungen unterschiedlichen Typs. Syntaktische Strukturen werden unter Beachtung der Prominenz prosodisch umgesetzt. Viele Details der Beziehung zwischen Syntax und Prosodie bleiben zu klären. Die Ausbuchstabierung hat Auswirkung auf die linguistische Theorie insgesamt.

Linguistische Beiträge zur Slavistik. XIII. JungslavistInnen-Treffen Leipzig 2004. Hg. Uwe Junghanns. München: Sagner 2007 (= Specimina Philologiae Slavicae 149), 233–258.

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